Im Stuhlkreis zwischen den Jugendlichen liegen Farbfotos auf dem Boden. Sie zeigen Promis, Stars und Sternchen. „Wen kennt ihr?“, fragt Workshopleiterin Claudia. Jakob fischt sich Bill Kaulitz heraus. „Das ist der Sänger von Tokio Hotel.“ Richtig, nickt Claudia. „Wieso liegt er da?“ Das gleiche fragt sie Tjark, der sich ein Foto von Fußballstar David Beckham angelt: „Wieso liegt er da?“

 

 

Weil er, tippen die Schüler, ebenso wie Bill Kaulitz irgendein psychisches Problem hat...? Exakt, nickt die Workshopleiterin. „Bill Kaulitz ist magersüchtig. Magersucht kennt ihr...?“ Ja, dazu haben sie vorhin ein Rollenspiel aufgeführt. Und David Beckham, Fußballweltstar und attraktiver Ehemann der der nicht minder prominenten Victoria Beckham, leidet an zwanghaftem Kontrollwahn. Ebenso wie Leo di Caprio, der Titanic-Weltstar, der keinen Raum verlassen kann, ohne nicht mehrmals wieder hineinzugehen und zu kontrollieren, ob alles am rechten Platz liegt.

„Verrückt! Na und?!“ heißt dieser Workshop, der für die 9. Jahrgangsstufen des Marien-Gymnasiums in die „World Mental Health Day“-Projekttage ihrer SV eingebettet ist. Thema: Suchtkrankheiten, Zwangsstörungen bei sich und anderen. Angeleitet von Ergotherapeutin Claudia Schüfer nähern sich die Schülerinnen und Schüler im Klassenverband dem Thema an; spielerisch und sich selbst erprobend.

In der ersten Hälfte des Vormittags hat die 9b, die heute durchgängig von ihrer Klassenlehrerin Beata Mucha begleitet wird, Rollenspiele einstudiert und aufgeführt: über Mobbing z. B., über Magersucht oder über eine App für ein gutes Klassenklima. Claudia Schüfer lobt in der Pause die Kreativität der Schülerinnen und Schüler. „Sie bringen sich toll ein, sind sehr engagiert dabei!“

Im Anschluss an die „Promi-Foto-Show“ hört die Klasse „John“ zu, John Milbelt, der den Jugendlichen offen heraus schildert, wie es ist, wenn man unter Depressionen leidet. Jahrelang, jahrzehntelang. „Ich habe mir nichts mehr zugetraut... ich hatte keine Lust mehr zu leben.“ Er erzählt, wie noch heute jeder neuer Tag ein neuer Kampf um Leben und Lebensfreude für ihn ist.

Die Projekttage, die die Schülervertretung in Anlehnung an den „World Mental Health Day“ vorbereitet hat, nehmen noch bis Mitte Juni den konstruktiven Umgang mit Stress und Belastung in den Fokus. Die Vorträge, Workshops und Lesungen sollen Achtsamkeit und Respekt untereinander schärfen und die Jugendlichen im Umgang mit der eigenen Individualität „trainieren“.

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