Leitung/Koordination: Frank Große Lanwer

Erprobungsstufe – Was ist das?

Ankommen, sich wohlfühlen und sich persönlich entfalten ist bis heute unser Motto für die Erprobungsstufe.

Unter dem Begriff der Erprobungsstufe fasst man am Gymnasium, aber auch an Real- und Hauptschule, die Jahrgangstufen fünf und sechs als pädagogische Einheit zusammen. In der Regel werden Kinder automatisch in die Jahrgangstufe 6 versetzt, um ihnen genügend Zeit zu geben, sich in der neuen Schulform einzufinden.

Wie der Begriff schon andeutet, ist es eine Zeit des Erprobens, aber auch des genauen Beobachtens und individuellen Förderns, um am Ende der Erprobungsstufe in Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten die Entscheidung für die gewählte Schulform endgültig zu treffen.

Da die Kinder aus den Grundschulen unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, holen unsere in der Erprobungsstufe unterrichtenden Lehrkräfte die Kinder in ihrer Entwicklung dort ab, wo sie am Ende der Primarstufe stehen. Auf Werler Ortsebene hat sich hier eine gewinnbringende Zusammenarbeit der unterschiedlichen weiterführenden Schulen mit den Grundschulen etabliert. Einerseits findet ein Austausch zur individuellen Entwicklung der einzelnen Kinder statt, um im Übergang dem einzelnen Kind möglichst gerecht zu werden. Andererseits finden jährlich gegenseitige Hospitationen und Treffen zum schulübergreifenden fachlichen Austausch statt. Der Unterricht knüpft daher inhaltlich am Unterricht in der Grundschule an und führt allmählich zu den für das Gymnasium typischen Arbeitsformen und Anforderungen.

Bildungsprofile in der Erprobungsstufe am MG

Gerade in Hinblick auf individuelle Entfaltung und Motivation hat sich am Marien-Gymnasium das Angebot von Bildungsprofilen bewährt, welches den Schülern ermöglicht, nach Neigung und Interesse bereits in der Erprobungsstufe Schwerpunkte zu setzen.

Traditionelle Gymnasialklasse

Diese Klasse startet mit Englisch als erster Fremdsprache. Die üblichen Differenzierungen erfolgen in Klasse 6 und 8. Auf ein weiteres Zusatzangebot wird hier bewusst verzichtet. Gerade im Werler Umfeld gibt es eine Vielzahl an sportlichen, musischen und kreativen Entfaltungsangeboten, so dass für viele Kinder „noch mehr“ in der Schule gar nicht gewünscht ist.

Growing Together- Bilingualität - kulturelle Offenheit und Neugierde - soziales Engagement

In dieser bilingualen Profilklasse liegt der Schwerpunkt auf der sprachlichen, interkulturellen und sozialen Entfaltung der Schülerinnen und Schüler in Vorbereitung auf ihr Leben in einer globalisierten Welt. In Klasse 5 und 6 wird Englisch sechsstündig und ab Klasse 7 dann ein Sachfach (z. B. Erdkunde, Geschichte, Politik) ein weiteres Fach bilingual unterrichtet.

Latein Plus (Duo in uno – Two in one)

Die Schüler/innen erlernen Latein als zweite Fremdsprache (4 Std./Woche) bereits in der 5. Klasse parallel zum Englischunterricht (3 Std./Woche). Die Kombination aus alter und neuer Weltsprache macht den Reiz dieses Modells aus. Zugleich gewöhnen sich die Schüler bereits im Übergang auf die neue Schule an das zunehmend systematische Erlernen von zwei Fremdsprachen.

Naturwissenschaften Plus

Hier erhalten die Schüler/innen in einer zusätzlichen zweistündigen Arbeitsgemeinschaft in der Erprobungsstufe Einblicke in naturwissenschaftliche Fragestellungen. In projektorientierter Arbeitsweise werden Themen aus Bereichen der Fächer Biologie, Chemie und Physik aufgegriffen und mit Inhalten der Mathematik verknüpft. Ziel ist es, bereits frühzeitig in kindgerechter Form die Grundlagen naturwissenschaftlichen Fragens, Denkens und Arbeitens in zunehmend systematischer Form zu erleben.

„Musik ist klasse“ – Musikklasse

In unserer Streicherklasse erhalten die Schüler/innen im Musikunterricht der Erprobungsstufe in Kooperation mit der Musikschule Werl intensiven Instrumentalunterricht auf einem Streichinstrument (Geige, Bratsche, Cello oder Kontrabass). Der Reiz des Profils besteht gerade im Ausprobieren eines neuen Instruments und des Musizierens in der Gruppe. Zugleich wird den Eltern die nachmittägliche Fahrt zur Musikschule erspart.

Den Übergang aktiv begleiten – ein zentrales Anliegen am Marien-Gymnasium

Der Prozess des Übergangs

Um anzukommen, sich wohl zu fühlen und erfolgreich zu lernen, bedarf es zunächst einmal eines angstfreien Übergangs, der Neugierde auf die neue Schule weckt und damit die Grundlagen für erfolgreiches Lernen legt. Mit folgenden Angeboten versuchen wir diesen Prozess zu unterstützen:

  • Den „Tag der offenen Tür“ mit ersten Informationen über die Profilklassen mit angebotenen Schulführungen und Gesprächen mit den Lehrkräften 

 

  • Ausführliche Informationen zu den Profilklassen an einem Abend im Januar. Nach den Anmeldungen mit der Entscheidung für ein Profil werden die Kinder den entsprechenden Klassen zugeteilt.
  • Individuelle Beratung im Zuge des Anmeldeverfahrens am Marien-Gymnasium. Jeder Schüler erhält mit seinen Eltern im Zuge der Anmeldung einen Termin zur persönlichen Beratung durch die Schulleitung oder den Erprobungsstufenkoordinator. Neben Fragen zur Profilwahl kann es hier auch noch einmal um die Wahl der richtigen Schulform gehen. Denn Überforderung behindert den Lern- und Entfaltungsprozess eines Kindes. Bewährt hat sich für uns in diesem Beratungsprozess eine enge Kooperation mit den Grundschulen und der Sälzer-Sekundarschule.
  • Begrüßungsnachmittage: Um den Übergang auf die neue, große Schule möglichst angstfrei zu gestalten, werden die Klassen einzeln im Klassenverband noch vor den Sommerferien an einem Nachmittag vom Erprobungsstufenkoordinator begrüßt. Dort können die Kinder ihr neues Klassenleitungsteam, ihre Schülerpaten und sich gegenseitig schon kennenlernen. Die Eltern erhalten die Gelegenheit, sich über ihre Vorstellungen und Erwartungen von einer gelingenden Schulzeit ihrer Kinder am MG auszutauschen. Zugleich werden die erforderlichen Informationen zum Start am MG gegeben.
  • Die offizielle Begrüßung aller neuen Schüler/innen und ihrer Eltern am ersten Schultag mit einem religions- und konfessionsübergreifenden Gottesdienst und einem kleinen Festprogramm, welches insbesondere von Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufen 6 und 7 moderiert und gestaltet wird.
  • Der zweite Schultag beginnt mit einer Klassenlehrerstunde, in der noch einmal alle Fragen in Ruhe geklärt und alle Räumlichkeiten gezeigt werden können, etc.. Dann geht es endlich los!
  • Der religions- und konfessionsübergreifende Abschlussgottesdienst am letzten Schultag des Jahres. Der von den Schülern der Klasse 5 gestaltete Gottesdienst schließt den Einstieg am MG ab. Eltern und Großeltern sind herzlich eingeladen, mit uns zu feiern!

Das soziale Klima

Das soziale Klima einer Schule und insbesondere einer Klasse stellt eine wichtige Grundlage für den individuellen Lernprozess dar. Auf der Basis unseres Leitbildes, welches den respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander als Fundament des Zusammenlebens begreift, haben sich für die Erprobungsstufe folgende Angebote zur Unterstützung der Entwicklung des sozialen Klimas etabliert:

  • Die Klassen werden von einem aus zwei Lehrpersonen bestehenden Team betreut. So findet jedes Kinder besser „seinen“ Ansprechpartner. Zugleich führt der regelmäßige Austausch der Teampartner zu einer reflektierten Betreuung der Kinder.
  • In der Regel erhält jede Klasse der Jahrgangstufe 5 eine „Klassenlehrerstunde“. Hier kann ein Klassenrat abgehalten werden, in dem regelmäßig die soziale Entwicklung der Klasse begleitet wird. Zugleich dient die Stunde der individuellen Förderung.
  • Eine wichtige Funktion nehmen mittlerweile die Klassenpaten ein. Jede Klasse 5 hat mindestens zwei Klassenpaten aus der Jahrgangsstufe 9, die der Klasse als Ansprechpartner zur Seite stehen. Seit dem Schuljahr 2017/18 werden die Klassenpaten zu Medienscouts und Streitschlichtern ausgebildet, so dass sie auch in Krisensituationen der Klasse professionell zur Seite stehen können.
  • Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es auf Anregung von Eltern zu Ende eines Schuljahres die „Minipflegschaft“ der Klassenpflegschaftsvorsitzenden der Jahrgangsstufen 5 & 6. Hier gibt es die Gelegenheit, sich über die Entwicklungen in den Klassen der Erprobungsstufe mit der Schulleitung und dem Erprobungsstufenkoordinator auszutauschen.
  • Ein zentrales Element für die soziale Entwicklung einer Klasse ist in alter Tradition die mehrtägige Klassenfahrt nach Hardehausen, die in der Regel zu Beginn des 6. Schuljahres durchgeführt wird.
  • Getreu dem Motto „Nicht wegschauen, sondern handeln!“ haben wir in den letzten Jahren für Klassen, deren Sozialgefüge in besondere Weise gestärkt werden muss, das Projekt „Tag im Wald“ entwickelt. Unter Begleitung eines Teams rund um die Beratungslehrer thematisieren die Schülerinnen und Schüler ausgehend von erlebnispädagogischen Übungen die Situation in der Klasse und suchen gemeinsam Wege, diese Situation zu verbessern.

Lernprozesse begleiten

Der Übergang zum Gymnasium ist auch von einem Perspektivwechsel im Lernprozess begleitet. Gestaltete sich das Lernen in der Grundschule noch häufig intuitiv, wie von selbst, so sind im System Gymnasium neben dem intuitiven Lernen häufig auch fachspezifische Lerntechniken erforderlich. In einigen Fällen bedarf es zum Gelingen der Erprobungsstufe hierbei der individuellen Unterstützung.

  • Eine wichtige Rolle nimmt die Klassenlehrerstunde ein. Hier können grundlegende Lerntechniken thematisiert und eingeübt werden, um eine systematische Entwicklung und Förderung von Lernkompetenzen und damit eine wachsende Selbstorganisation zu erreichen.
  • In vier Erprobungsstufenkonferenzen pro Schuljahr tauschen sich alle unterrichtenden Lehrkräfte über den individuellen Leistungs- und Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler aus und leiten bei Bedarf Fördermaßnahmen ein.
  • Ab dem zweiten Halbjahr der Jahrgangstufe 5 bieten wir fachbezogene individuelle Förderung in Kleingruppen in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch an.
  • Bei Bedarf gibt es eine regelmäßige Übermittagsbetreuung undeine auf Elternwünsche abgestimmte Hausaufgabenbetreuung.
  • Sei Jahren bieten wir eine spezielle Förderung „sprachlicher Kompetenzen im Sachfach“ (in Kooperation mit der UNI Dortmund) für Kinder mit Migrationshintergrund an.
  • Einige Schüler benötigen beim Übergang auf das Gymnasium noch zusätzliche Unterstützung: Die Selbstorganisation, das regelmäßige Lernen und das Anfertigen der Hausaufgaben gelingen in diesen Fällen noch nicht mit der nötigen Zuverlässigkeit. Hierauf reagiert das Programm „Durchstarten am MG“, welches in Kooperation mit der Schulsozialarbeit Werl für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 6 entwickelt wurde. Im zweiwöchigen Rhythmus treffen sich die Teilnehmer von Herbst bis Ostern mit Schülerhelfern der Jahrgangstufe 9, um mit diesen zusammen Hausaufgaben anzufertigen und bewährte Lernstrategien einzuüben. In den anderen Wochen begleitet die Schulsozialarbeiterin die Teilnehmer, um mithilfe von gruppendynamischen Elementen die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Druck und negativen Erfahrungen zu stärken.

Im Gespräch bleiben

Wichtig für das Gelingen des Übergangs und der weiteren Entwicklung ist eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Erziehungsberechtigten und Lehrkräften. Hierzu hat das Marien-Gymnasium ein umfassendes Beratungskonzept entwickelt, basierend auf den klassischen Elternsprechtagen, den Sprechstunden der Lehrer / -in für ausführlichere Gespräche, Förderplangesprächen sowie einem Schülersprechtag.

Abschluss der Erprobungsstufe

Am Ende des 6. Schuljahres ist für jedes Kind eine fundierte Entscheidung über die Eignung für die gewählte Schulform Gymnasium zu treffen. Deshalb wird in den beiden Jahren der Erprobungsstufe die Entwicklung einer Schülerin / eines Schülers kontinuierlich und sorgfältig verfolgt, um eventuelle Defizite frühzeitig auszugleichen und möglichen Fehlentwicklungen vorzubeugen. Auf dieser Grundlage möchten wir die Schüler / -innen und Eltern bei der Gestaltung der weiteren Schullaufbahn begleiten und beraten.

Die Verweildauer in der Erprobungsstufe beträgt höchstens drei Jahre, d.h. ein Jahr kann auf Antrag der Erziehungsberechtigten wiederholt werden. Die Entscheidung, ob ein Kind das Gymnasium weiter besuchen kann, fällt erst am Ende des 6. Schuljahres. Zu diesem Zeitpunkt legen die unterrichtenden Lehrer / -innen  im Zuge der Versetzungskonferenz fest, ob eine Schülerin / ein Schüler in die Jahrgangsstufe 7 versetzt wird, die Klasse 6 wiederholen kann oder auf eine andere, für das Kind besser geeignete Schulform übergehen muss. Im Zentrum dieser Entscheidung stehen für uns immer das Wohl und die Entwicklung des Kindes. In der Regel findet eine Versetzung in die Klasse 7 des Marien-Gymnasiums statt. In einigen wenigen Fällen hat es sich bewährt, dass Kinder ihren schulischen Weg besser an einer anderen Schulform weiterführen und dort mit neuem Mut durchstarten.

Zusätzliche Informationen

  • 21.11.2018 19:30 (Aula)

    Vortrag: Gelassen durch die Pubertät

  • 8.12.2018 10:00-13:00

    Tag der offenen Tür

  • 13.12.2018 18:00

    Lateinischer Theaterabend (Aula)

  • 17.01.2019 19:00

    Elterninfoabend über Profilklassen

  • 23.01 & 25.01.2019 19:00

    Schulkonzert (Aula)